
Ausbildung der Zukunft war das Thema des CarbonCycleCultureClubs (C4), der einen ganz besonderen Ort für Austausch und Diskussion hatte: Die Bildungsmesse am 24. 09.2025 im Metall-Labor „Dr. Adolf Beck“ im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, zu der über 1.400 interessierte junge Menschen sowie 70 Aussteller gekommen waren.
Dieser C4, ein Denk- und Diskussionsformat des Forum Rathenau e.V., widmete sich ebenso wie der Future Skills Parcours und der Azubi Zukunfts-Gipfel, zwei kürzlich vom Forum Rathenau veranstaltete Höhepunkte, dem Thema betriebliche Bildung mit Blick auf die Zukunft und den Auszubildenden selbst als Akteure.
Patrice Heine, Vorstand des Forum Rathenau e.V. und Geschäftsführer der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH, begrüßte die Gäste zu dieser besonderen Veranstaltung. Es ist die sechste von der Chemiepark GmbH ausgerichtete Bildungsmesse. „Bildung, Ausbildung, Weiterbildung - das alles sind Zukunftsthemen.“ so Heine.
Moderiert wurde die Talkrunde von der Leiterin der DenkWerkstatt des Forum Rathenau e.V. Ilka Bickmann.
Markus Hampel, Geschäftsleiter des Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld (BZ) bildete den Auftakt. „Wir sind der Fachkräftemotor der Region“, sagte er mit Verweis auf die 52 Mitgliedsunternehmen des BZ, darunter kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie Konzerne, die vorgeben, für welche der derzeit 20 angebotenen Berufe eine Erstausbildung durchgeführt werde.
Auf die Frage, welche Future Skills nötig seien, berichtete er vom sogenannten Job Futuromat, der über die Website des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) abrufbar sei und ging auch auf die Rolle von KI am Beispiel des Berufsbilds Chemikant ein. Die Automatisierbarkeit in diesem Beruf wurde bei 100 Prozent eingestuft. „Das heißt, es gibt aufgrund des technologischen Fortschritts, des Einsatzes von KI und deren Anwendungsszenarien definitiv Auswirkungen auf die Ausbildungswelt.“
Wir wollen zum Motor der Transformation werden, nicht nur Dinge reproduzieren, sondern vorantreiben. Dazu brauche es“, so Hampel, „den Schulterschluss zwischen Kammern, Unternehmen, der Politik und natürlich den Auszubildenden.“
Nach Einschätzung von Landrat Andy Grabner versteht sich der Landkreis als Mittler, Kooperationspartner und Bindeglied auch in den politischen Gremien.
Ilka Bickmann erwähnte bei dieser Gelegenheit die Übernahmequote der Auszubildenden, welche in Sachsen-Anhalt im Jahr 2024 mit 83 Prozent über dem Bundesdurchschnitt lag.
Als nächstes begrüßte Bickmann auf dem Podium drei Auszubildende. Lana Kettmann, Pharmakantin bei Oncotec Pharma Produktion GmbH macht den Anfang: „Hast Du schon einmal von Future Skills gehört?“, fragte Ilka Bickmann. „Nicht direkt“, antwortete die junge Frau „aber wenn man KI miteinbezieht, sind wir jungen Menschen sehr interessiert herauszufinden, wie das funktioniert und was man damit machen kann.“
Auf die Frage, ob sie Angst haben, dass Tätigkeiten in ihren Bereichen durch KI ersetzbar seien, reagieren auch Domenik Rotte und Maxim Schramm, Auszubildende bei der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, gelassen.
Die Erfassung und Verarbeitung von Daten könne automatisch erfolgen, so die angehenden Chemikanten, aber das klappe nicht immer und dann müsste geprüft und händisch nachgeregelt werden. KI werde zukünftig noch besser unterstützen, aber niemals komplett übernehmen können. Auf der Anlage, so führen sie aus, müssten Menschen beispielsweise Ventile bewegen, was nicht mit KI machbar sei.
Nach der Ausbildung sehen die jungen Männer ihre Zukunft bei SKW Piesteritz.
Ilka Bickmann freute sich in diesem Zusammenhang darüber, dass von 80 Teilnehmern des Azubi-Zukunfts-Gipfel nur einer den Wunsch geäußert hätte, die Region zu verlassen.
Julia Wünsch, Referentin für Aus- und Weiterbildung der IHK Halle-Dessau stellte die Ergebnisse einer Umfrage vor: „Wir erfassen die Berufsausbildungsverträge im Süden von Sachsen-Anhalt. 77 Prozent der Auszubildenden gaben an, dass sie in ihrem Wunschberuf angekommen seien.“ freute sich Wünsch. Die meisten sind laut eigenen Angaben durch das persönliche Umfeld, also wie Eltern, Verwandte oder Freunde auf die Ausbildung aufmerksam geworden.
„Stehenbleiben ist keine Option. Die menschlichen Kompetenzen allerdings werden uns erhalten bleiben.“ ergänzt Julia Wünsch.
Patrice Heine unterstrich in seinem Schlusswort die Bedeutung einer Befähigung der gesamten Gesellschaft, die Zukunft und den Wandel, der uns nicht nur vorgegeben sei, sondern den wir uns selbst wünschten, mitzugestalten. Dafür brauche es neben jungen, gut ausgebildeten Menschen auch den Willen, die damit verbundenen Fragestellungen anzugehen und Grenzen zu verschieben.
Weitere Informationen, Fotos und Livemitschnitt zur Veranstaltung unter:
https://www.forum-rathenau.de/veranstaltung/ausbildung-der-zukunft/
Der Forum Rathenau e.V. stärkt vom Standort Bitterfeld-Wolfen ausgehend den Transformationsprozess im Mitteldeutschen Revier. Das im Jahr 2019 gegründete Projekt vermittelt die Innovationen der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft. Auf dem Weg zu einem postfossilen, nachhaltigen Kohlenstoff-Kompetenzcluster Sachsen-Anhalt setzen die wissenschaftlichen Mitarbeiter an der schulischen Bildung an, entwickeln Lernformate, fördern Unternehmenstransformationen und Gründungen und vermitteln in Kommunikationsformaten die Chancen der postfossilen Kreislaufwirtschaft.
Foto: Sergei Balyberdin "Frost Foto"