Kürzlich unternahm der Betreiber des Erdgasnetzes, MITNETZ GAS (EVIP GMBH), im Chemiepark erstmalig den Versuch, per Drohne eine Inspektion ihrer Rohrleitungen vorzunehmen.
Auf einer Freifläche der MITNETZ GAS (EVIP GMBH) im Bitterfeld-Wolfener Chemiepark Areal E war das problemlos möglich. Der dafür gewonnene Dienstleister, die FlyNex GmbH aus Leipzig, überflog auf einer geraden und gut einsehbaren Strecke von 500 Metern die auf Rohrbrücken liegenden Gasleitungen.
Diese Art der Inspektion ist auch für die FlyNex–Ingenieure neu. Bisher wurden Stromanlagen beflogen, aber auch Straßenbaumaßnahmen oder Gebäude aus luftiger Höhe inspiziert. Der Dienstleister im Bereich der digitalen Datenerhebung und -analyse bringt dafür innovative Technologien wie Drohnen, Künstliche Intelligenz und leistungsstarke Software zum Einsatz. Unternehmen, die eine große Anzahl an Assets bewirtschaften müssen, können somit schneller essenzielle Daten generieren und Entscheidungen treffen.
In 25 Metern Höhe über den für unseren Standort typischen Rohrbrücken bewegte sich die knapp 2 kg schwere DJI M4 unter den erfahrenen Händen der Leipziger Drohnenpiloten. Nach einem kurzen Inspektionsflug bewegte sich das Gerät über die gesamte Leitungslänge automatisiert nach einem vorab erstellten Flugplan. Das ist möglich bei geraden Strecken. Die für die Leitungen typischen Ausdehnungsbögen müssen anschließend händisch beflogen werden. Das heißt, ein erfahrener Drohnenpilot steuert die Bewegungen der Drohne per Fernbedienung über die teils engen Windungen der Anlagen.
Dabei bewegt sich das mit Hochleistungskameras ausgestattete Flugobjekt auf einer vorher festgelegten Mittellinie senkrecht über den Rohrleitungen. Auf dem kleinen Bildschirm des Controllers in den Händen der Bediener ist eine erste visuelle Kontrolle der Gasleitungen möglich. Genauer kann man diese Aufnahmen vor Ort bereits auf einem Laptop beurteilen, auf den die Daten des Fluges übertragen werden. Störungen wie Vogelnester oder Farbabweichungen an den Leitungen, die auf Schadstellen hinweisen, sind sofort zu detektieren. Die Piloten sind darin sensibilisiert, das mit bloßem Auge zu erkennen. Eine minutiöse Auswertung erfolgt erst im Nachgang. Ein Team erfahrener Ingenieure sichtet die Aufnahmen bevor sie mit Hilfe künstlicher Intelligenz nochmals Kontrollen durchlaufen. Bereits die Datenübertragung erfolgt KI-gestützt. So werden zum Beispiel aus Datenschutzgründen Personen und Gesichter unmittelbar verpixelt.
Darüber hinaus versuchen die Mitarbeiter Daten mit Personenbezug gar nicht erst aufzunehmen.“ Beim heutigen Test lautete das vorläufige Fazit: alles in Ordnung. Für die MITNETZ GAS (EVIP GMBH) bleibt jetzt zu prüfen, ob diese Methode sinnvoll ist, um ihre Rohrleitungsnetze turnusmäßigen Inspektionen per Drohnenflug zu unterziehen. Neben erheblichen Einsparungen an Zeit und Kosten spielt dabei auch die Betrachtung der Risikominimierung für Mitarbeiter eine entscheidende Rolle. Ganz auf den Sachverstand ihrer erfahrenen Kollegen will der Gasnetzbetreiber aber nicht verzichten. Aktuell wird es immer eine Kombination aus visueller Inspektion durch einen Mitarbeiter der Laufanlage und Drohnenaufnahmen von der Außenseite der Rohrleitung geben.